Baumfrieden
»Shinrin-yoku« ist Japanisch und heißt so viel wie Waldbad. Wer eintaucht, tut etwas für seine Gesundheit.
Waldbaden. Das klingt ein bisschen so, als müsste man sich einen Bikini anziehen und dann Bäume umarmen. Dabei geht es beim Waldbaden um nichts Esoterisches, sondern um eine wissenschaftlich bewiesene Entspannungsmethode. Und die stammt nicht, obwohl man es zunächst vermuten würde, aus Deutschland, sondern aus Asien: Das japanische Landwirtschaftsministerium führte Anfang der Achtzigerjahre den Begriff »Shinrinyoku«, zu Deutsch »Wald(luft)bad«, ein.
Es folgte ein millionenschweres Forschungsprogramm, um dessen medizinische Wirkung nachzuweisen, ein Zentrum für »Waldtherapie« – dazu bieten japanische Universitäten eine fachärztliche Spezialisierung in »Waldmedizin« an. Es handelt sich also um eine Art von »grüner Heilung«. Die besteht daraus, in einen Forst zu gehen, in die Atmosphäre dort einzutauchen, den Geruch einzuatmen. An einem Ort, wo sich die Wipfel im Wind wiegen, der moosige Boden unter den Füßen federt und die Luft zugleich würzig und klar ist. Eine schöne Vorstellung. Aber von aller Idylle einmal abgesehen: Gesund ist das Waldbaden wirklich, zwischen den Bäumen schlägt das Herz ruhiger, der Blutdruck und der Stresspegel sinken.
Übrigens reicht erstaunlicherweise sogar schon der Anblick des Grüns: 1984 sorgte der Forscher Roger Ulrich mit einer Studie für Aufsehen, die besagte, dass Patienten schneller gesunden, wenn sie in die Natur blicken. Der Schwede verglich damals die Krankenakten von 46 Patienten. Dabei hatte die eine Hälfte von ihnen aus ihren Zimmern auf eine Mauer geblickt, die andere auf Bäume. Und siehe da, wer ins Grüne geschaut hatte, wurde einen Tag früher entlassen als die Vergleichsgruppe. Und: Die Baumbetrachter benötigten sogar weniger Schmerzmittel.
Natürlich gibt es auch ein Fremdwort zu dem Phänomen, dass der Mensch das Lebendige liebt: So prägte der Evolutionsbiologe Edward O. Wilson in den Achtzigerjahren den Begriff »Biophilia«. Und weil die unberührte Natur eben in unserer DNA liegt, tut sie uns auch gut. Insbesondere dann, wenn die Welt ein bisschen zu laut wird. »Der Wald legt das Lauschen nahe«, hat Hermann Hesse einmal gesagt. Das tut er. Ob nun im Bayrischen Wald, im Schwarzwald, im Taunus oder im Nationalpark Sächsische Schweiz, ob zwischen Fichten, Lärchen oder Buchen – im Wald kann man durchatmen. In Ruhe. Das Telefon spielt keine Rolle mehr. Termine sowieso nicht. Und anstatt auf Trimmdich-Pfaden ins Schwitzen zu kommen, erlaubt das Waldbaden eine ganz wunderbare Sache: in der Natur herumzutrödeln.
Die Zeilen »Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch« stammt aus dem Gedicht »Über allen Gipfeln« von Goethe. Geschrieben hat er es tatsächlich im Wald.
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Artikel von
The Explorer
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