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Fahrradtour durch Bucharest

Geschrieben von The Explorer | 12 September 2022

Im Sattel durch die Stadt der 1.000 Gesichter. Die Gefahr lauert hinter jeder Ecke und das Wilde dräut in jeder Schlucht.

Feindesland – Ödland! Im Sattel deines Bikes in Bukarest fühlst du dich heute noch wie Old Shatterhand auf Hatatitlas Rücken, als er sich einst durchs feindliche Indianergebiet stahl. Stimmt´s? Stimmt nicht! Wir beweisen´s Ihnen!

Alte Geschichten erzählen von dem Bauern Bucur, der sich hier niederließ und die Stadt Bukarest gründete. Bucur kommt von Bucurie, und das bedeutet auf Rumänisch: glückhafte Freude. Nun, von der war nicht viel zu spüren bis ins späte zwanzigste Jahrhundert: Osmanen verjagten die Fürsten der Walachei, das Volk erhob sich gegen Herrscher, ein Stadtbrand wütete als wilder Architekt, ein Verwaltungschef namens Vlad strafte vorzugsweise durch Pfählungen, Frieden wurden geschlossen und gebrochen, Diktatoren knechteten, Regionen bebten, es wurde studiert und malträtiert.

Das Stadtbild berichtet noch heute davon, und zwar mit mehr als mit tausend Worten. An jeder Ecke ein anderes Gesicht: Da stinkt's und dort duftet's. Hier lärmt´s, da hinten herrscht Stille. Mittelalterliche Bauten trotzen modernsten Villen. Bukarest hat überlebt. Und entwickelt sich zur freudigen, freundlichen Stadt. Sogar zu Menschen, die sie auf Sätteln erfahren wollen.
Don't drink and drive: Hier darf man sich aber getrost auch nach ein paar Drinks zu viel noch am Lenker halten.

  • Bicicletabar
    Des Radlers erste Station ist natürlich die Bicicletabar in der Altstadt. Hier stellen Künstler ihre Werke aus, Musiker frönen den verschiedensten Musikrichtungen, Workshops vermitteln Wissen, man redet und lacht und trinkt die abenteuerlichsten Cocktails.
    Das Besondere aber ist ihr Interieur. Es besteht nahezu ausschließlich aus alten Fahrrädern. Designer zerlegten die rostigen Dinger, polierten sie auf Hochglanz und schweißten sie wieder zusammen – zu Möbelstücken.
  • Lipscani-Viertel
    Das Lipscani wird zwar oft von Fußgängerzonen unterbrochen, gehört aber zweifellos zu den attraktivsten Vierteln. Hier trifft sich die Kunstszene, Kneipen locken mit Wein und Gesang, Nachtclubs drücken ihre Bässe in die Bäuche. Moderne Läden stehen in verwinkelten Hinterhöfen, Antiquitätenhändler neben Kunstgalerien.
  •  Caru cu Bere
    Der "Bierkarren" in der Strada Stravropoleos gehört zu den bekanntesten Lokalen der Stadt. Vor dem 1879 erbauten und 2007 komplett renovierten Gebäude fläzt sich ein wunderbarer Biergarten. Der Gerstensaft aus den hauseigenen Sudkesseln mundet pur oder als Radler, vor allem, wenn man seinen Seidel von einer der wunderbaren Kellnerinnen im Dirndl serviert bekommen hat.
  •  Parlamentspalast
    Ceaușescu war kein sonderlich groß gewachsener Mann, wie viele Despoten. Aber er wollte sie alle auf Teufel komm raus überragen, drum ließ er sich ab 1983 den Parlamentspalast bauen. 364.000 Quadratmeter "Haus des Volkes" erforderten aber Platz, weshalb er kurzerhand einen Großteil der Altstadt abreißen und 40.000 Bürger seines Volkes umsiedeln ließ. Das zweitgrößte Gebäude der Welt, nach dem Pentagon, konnte er jedoch nicht genießen: Es war bei Ceaușescus Sturz 1989 schlicht noch nicht fertig.
  •  Gradina Cișmigiu
    Der Cișmigiu Garten liegt auch im Zentrum und protzt mit seinen 17 Hektar Fläche als größter und auch ältester öffentlicher Park. Und dabei begann alles mit dem Bau zweier Cisneles, Springbrunnen, um 1798. Rund 50 Jahre später brachte ein Wiener Gartenarchitekt den Schmäh in den Park: mit Zierbrücken, Seen, Alleen, Inselchen, Musiklauben. Das verspieltere rumänische Gesicht stieß um 1910 dazu: mit Blumeninseln, Marmorbüsten, Spielplätzen, Restaurants und einem Zoo.
  • Freilichtmuseum
    Das Muzeul Satului liegt an der Kiseleff-Chaussee und zeigt auf mehr als 100.000 Quadratmetern, wie die rumänischen Bauern früher auf dem Land gelebt hatten. Man schlendert in diesem Freilichtmuseum durch ein kleines Dorf kleiner Häuser mit Strohdächern, einer Kirche und einem See mit Booten. Überall stehen landwirtschaftliche Geräte, Frauen verkaufen Souvenirs, die sie wie damals in Handarbeit herstellen: Schmuck, Stickereien, Häkelgut. (Aber weiter hinten findet man hier auch ein Restaurant mit Speisen von heute.)
  • Athenäum
    Ursprünglich sollte an diesem Ort ein Zirkus seine Künste präsentieren, doch man hat sich nach einigen Wirren um 1865 für eine spendenunterstützte Konzerthalle entschieden. Sie wird von mehreren Baustilen getragen und umhüllt einen Saal von knapp 30 Metern Durchmesser und 16 Metern Höhe.
    Er dient bis heute Konzerten von internationaler Spitzenklasse von Ravel bis Menuhin. Eine 70 Meter lange Frescomalerei in der Kuppel erzählt die rumänische Geschichte ab der Römerzeit.

Rent a Bike:
Organisiert: Cyclotheque, “I love velo” und viele private und improvisierte Radverleihe.

Radreisen nach Bukarest:
www.velotours.de
www.launer-reisen.de